Zwischen Straße und Catwalk – der Kanye West Fashionstyle


Schon viele haben Kanye West als einen einen der bekanntesten männlichen Stilikonen im weltweiten Pop-Olymp gesehen. West ist nicht nur ein Künstler, der extrem auf seine Kleiderwahl achtet, sondern sie auch beständig zu Thema macht. Das mag in Rapper-Kreisen keine wirkliche Besonderheit sein. Der Unterschied zu anderen Künstlern aus seinem Metier ist jedoch, das Kanye West einen besonderen Style geschaffen hat, der sich nur schwer in eine Schublade packen lässt. Zeit, diesen Style auf Prüfstand zu nehmen.
Kanye West hat, ganz ähnlich wie Lil Wayne seinen Kleidungsstil über die Jahre immer wieder verändert. Das erscheint logisch, denn gerade stilbewusste Menschen lieben die Veränderung. Wer über Jahre und Jahrzehnte hinweg seinen eigenen Style nicht variiert, anpasst oder gar neu erfindet, läuft in Gefahr irgendwann als Parodie, als Abziehbild seiner selbst zu enden – und so etwas kann man sich höchstens erlauben, wenn man Karl Lagerfeld heißt.

Als Kanyes Karriere mit dem Release seines Debutalbums 2004 an Fahrt aufnahm, stellte er sich der breiten Öffentlichkeit bereits als „Louis Vuitton Don“ vor. Das HipHop-Fachblatt Juice machte ihn zum Coverhelden seiner 2004er Style Issue, wo der für seine Egomanie gefürchtete Superstar einen vollkommen neuen Look vorstellte: Kanyes Stil kreuzte diverse Streetwear-Elemente wie Baggys, Hoodies und Air Max-Sneaker mit Louis Vuitton- Rucksäcken oder Designer-Sakkos.

Von vielen typischen HipHop Elementen seines Modestils hat sich West mittlerweile verabschiedet, doch so ganz will er sich nicht von seinen Wurzeln lösen. So trägt Kanye, egal wie schmal seine Jeans auch sein mögen, sie auch heute noch stets unterhalb der Hüfte und auch sein Faible für auffällige Baskettballsneakers ist scheinbar noch immer vorhanden. Unlängst designte er auch eigene Modelle in Kooperation mit Nike und seinem Designer-Vorbild Louis Vuitton.
Kanye West Leopardjacke von Givenchy Gesehen auf SSENSE

Überhaupt: Wenn man den Style Kanye Wests mit drei Labels auf den Punkt bringen müsste, wären es definitiv Louis Vuitton, Nike und Marc Jacobs. Doch abseits von seinen Lieblingsbrands schreckt West nicht vor modischen Experimenten zurück. So war er 2007 wahrscheinlich der erste, der die berühmten Shuttershades trug, die heute in jeder Dorfdisko von quietschbunt angezogenen Atzen-Fans gerockt werden. Seine Givenchy Bomberjacke mit Leopardenmuster konnte hingegen nicht einen solchen Trend auslösen. Man mag über derlei Mode geteilter Meinung sein, unbestreitbar ist jedoch, dass es West schafft, urbanem Look eine besondere, leicht verrückte Note zu verleihen.

Kanye West hat den Mut und das Selbstvertrauen diese Kleidung zu tragen und zudem das nötige Ego, sich damit geil zu fühlen. Da ist es schon fast eine willkommene Ausnahme, wenn er sich in der Öffentlichkeit mal lediglich mit einem simplen weißen T-Shirt, einer Basic-Jeans und ein paar Jordans zeigt. Vor allem die Air Jordan I im traditionellen schwarz, rot und weiß scheinen seinen Geschmack zu treffen. Wer die von Kanye kursierenden Paparazzi-Bilder durchstöbert, wird feststellen, dass sie fester Bestandteil seiner Alltagsuniform sind. Zudem trägt er in letzter Zeit wieder verstärkt mehrere, dicke Goldketten um den Hals. Eine ganz klare Referenz an den HipHop-Goldkettentrend der 80er Jahre. Abseits davon lässt sich West jedoch nicht wirklich auf bestimmte Kleidungsstücke oder Accessoires festlegen, auch ein bestimmtes „Markenzeichen“ hat er nicht.

Im Web geistern diverse Seiten und Blogs herum, die sich explizit mit der Kleidung Wests befassen und Links und Preise zum Nachkaufen bereitstellen. Es erscheint daher an dieser Stelle müßig, auf einzelne Kleidungsstücke näher einzugehen, die Kanye heute zwar noch trägt, aber nächsten Monat schon wieder aussortiert hat. Die eigentliche Kunst ist, edle Designermode mit einzelnen Streetwear-Stücken stimmig zu kombinieren. Kanye West beherrscht sowohl die Zusammenstellung simpler Looks als auch Paradiesvogel-Outfits perfekt. Eine Gradwanderung, an der viele scheitern. Wer es dennoch, auch ohne das nötige finanzielle Polster, versuchen will, der kann statt teurer Designermode auch einzelne Stücke (wie z.B. ein edles Sakko) von Zara, H&M oder Mango picken und diese mit einem Paar Jordans, tief sitzenden Skinny-Jeans und einer klassischen Ray Ben-Brille kombinieren. Für die Goldketten sollte man jedoch lieber ein Sparkonto anlegen… ;)

Eine Antwort

  1. Frank

Antworten