Tradition trifft „bad taste“ – Fashion aus Italien

Valentino Kleider

Traditionelle Eleganz trifft auf moderne Weiblichkeit – das ist der Look von Valentino

Italien nimmt unter den führenden Modenationen der Welt eine Sonderstellung ein. Ähnlich wie in Frankreich hat Mode, ihre Stilisierung und ihr hoher Stellenwert hier eine lange Tradition. Italienischer Luxusmode geht eine lange Geschichte voraus, die mehr als irgendwo sonst auf der Welt von sozialer Befreiung und Aufstieg durch gesellschaftliche Klassen geprägt ist. Verknüpft ist dieser Fakt stets mit dem unvergleichlichen Look italienischer Mode, die häufig so unkonventionell wie klassisch ist. Ein ganz offensichtlicher Gegensatz möchte man meinen – doch nicht für italienische Topdesigner.

Die schon fast untrennbar erscheinende Verknüpfung vom Mode und Luxus, wie sie in Italien an den Tag gelegt wird, hat eine tiefe, geschichtliche Verwurzelung. Italienische Fürsten und Adlige stellten ein perfektes Auftreten nicht selten in den Mittelpunkt ihres Daseins. Als Demonstration grenzenloser Macht wollten sie die besten und edelsten Stoffe am Leib tragen. Verarbeitet in feinste Roben wurden diese von Tuchmachern, Schneidern und Webern – quasi von jenen Leuten, die wir heute plump als „Designer“ bezeichnen. Pompöse Modenschauen auf den Palazzi der Adligen waren keine Seltenheit, Prinzessinnen und Adlige präsentierten die für sie geschneiderten Stücke natürlich höchst selbst und ließen den Pöbel standesgemäß dafür applaudieren. Quasi ganz ähnlich den heutigen Verhältnissen (mit dem Unterschied, dass aus dem Adel mehr oder weniger talentierte Filmstars geworden sind und die Palazzi durch Hollywood ersetzt wurden – der Pöbel applaudiert nach wie vor). Wer nun wissen will, wie sich der Spirit aus jener Zeit auf die heutigen Kollektionen der Modenhäuser des südeuropäischen Landes ausgewirkt hat, der muss einfach die aktuellen Kollektionen von Gucci, Prada usw. ansehen.

Auffällig ist, dass italienische Designermode, wie die von Gucci heute stark auf Sexappeal setzt. Dies bringen die doch sehr klaren, rasanten Schnitte zum Ausdruck. Wie so viele andere startete Label-Vater Guccio Gucci sein Unternehmen als Produzent für Lederwaren, meist als Reitsportausrüstung, die vor allem bei der italienischen High Society gut ankam. Dementsprechend luxuriöse und hochwertig sind seine Stücke auch heute noch und strahlen dies auch mit jeder Faser deutlich aus. Etwas mehr als Gucci arbeitet man bei Prada mit sehr vielen klassischen Elementen. Das Label, das seinen Fokus vor allem auf exklusive Schuhmode, Taschen und andere Lederwaren legt, ist ebenfalls eines der italienischen Urgesteine im Sektor der Luxusmode. Miuccia Prada legt als Kopf des Unternehmens stets Wert darauf, mit jeder Kollektion, dem Markt etwas Frisches und Neues zu bringen. Gepaart mit einer gewissen Unkonventionalität im Stil hat sich dies sehr positiv auf die italienische Modelandschaft im Allgemeinen ausgewirkt. Der so genannte „bad taste“-Look als echter Dauerbrenner geht auf das Konto von Prada.

Die klaren Linien, die Mode von Gucci auszeichnet, kommen im Übrigen auch bei anderen Topdesignern wie Valentino oder Versace zum Ausdruck. Wenn man dies versuchen würde, als einen „typisch italienischen“ Look zu definieren, müsste man sagen, dass sich fast alle großen Modenhäuser eher klaren Linien und Schnitten bedienen, die stets durch zahlreiche klassische Elemente gebrochen werden. Nicht selten kommen Kleider oder Oberteile auf den ersten Blick fast so schlicht, wie ein einfaches Basic-Teil daher, überraschen aber dann mit einem bestimmten Cut, einem Print oder einem besonders ausgefallenen Kragen, der dem Ganzen die einmalige Besonderheit verleiht. Nicht zuletzt wird bei italienischer Mode von einer „typisch südländisch-feurigen“ Leichtigkeit gesprochen, die den Stücken anhaften. Kleider sind stets figurbetont, ausgefallen und werden – für italienische Designer eine absolute Selbstverständlichkeit – nur unter Verwendung edelster Materialien gefertigt.

Als eines der Zentren des weltweiten Modebusiness‘ hat sich Mailand fest etabliert. Hier werden nicht nur die italienischen Fashionshows traditionell abgehalten, sondern sind sämtliche Labels mit Rang und Namen von Armani bis Valentino ansässig. Die Via Montenapoleone mit ihren exklusiven Boutiquen bringt die edle Mode standesgemäß an den Mann. Hier wird deutlich, was die Modewelt dem südeuropäischen Land alles zu verdanken hat. Die Kunst, eine ganze Lebensart in Mode zu packen: ein Verdienst der Italiener. Eine einzigartige Mischung aus Eleganz, mutigen Stilbrüchen, und rasanten Schnitten: ein Verdienst der Italiener. Luxus, unnachahmliche Klasse und stetige Rückbesinnung auf Traditionelles: ein Verdienst der Italiener.

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