Totgesagte leben länger – die Modemetropole Düsseldorf

Düsseldorf Medienhafen

Nicht nur optisch ein Hingucker – die Modestadt Düsseldorf

Um die Modestadt Düsseldorf ist es nicht gut bestellt. War die Stadt noch vor wenigen Jahren Anzugspunkt für Modeliebhaber, Designer, Händler und Möchtegerns, hat sie ihren Status als Fashionzentrum Deutschlands längst an Berlin verloren. Die hiesige Modeszene will dies aber nicht einfach so hinnehmen. Kann Düsseldorf ein Comeback als Mekka für Fashion und Design schaffen? Oder ist es gar nicht so schlecht um die nordrhein-westfälische Stadt bestellt, wie immer behauptet wird?

Es waren die Toten Hosen, die 1983 ihre Heimatstadt als „Modestadt Düsseldorf“ besangen: „Wir sind aus einem schönen Ort / Armut ist hier ein Fremdwort / Jeden Sommer, jedes Jahr / trifft sich Düsseldorf auf Ibiza / Wir sind nur aus Düsseldorf / wo kein Mensch irgendwelche Sorgen hat.“ Solche Zeilen mögen – wenn auch von der Band vielleicht nicht ganz ernst gemeint – in den 80er Jahren auf die Düsseldorfer Modeszene durchaus zutreffend gewesen sein. Wer in Deutschland etwas von Fashion verstand, für den war Düsseldorf damals das A und O. Der Glanz dieser Zeit ist heute längst vergangen. In diesem Jahr fand ein letztes Mal die ehemals weltberühmte Fachmesse CPD Signature statt. Aussteller- und Besucherschwund überließen die Veranstaltung nach 30 Jahren ihrem Schicksal.

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Wohl eine der bekanntesten Boutiquen in Düsseldorf – Jades24

Schon immer galt Düsseldorf – auch im Vergleich zu anderen großen Modemetropolen – mehr seriös als schrill, mehr klassisch als hip. Ein Faktor, der die westdeutsche Stadt auch vom aufstrebenden Berlin stark unterscheidet. Der typische Düsseldorfer Stil zeichnet sich nach Ansicht Vieler durch Zurückhaltung aus. Vielleicht ist das auch darauf zurückzuführen, dass Düsseldorf traditionell sehr businessorientiert ist. Wer vom „Modestandort“ Düsseldorf spricht, meint nicht selten, dass sich hier die Fachwelt vor allem aufgrund geschäftlicher Aspekte trifft. Mag es also auch in Berlin vielleicht mehr kreative Köpfe geben – das Geld wird nach wie vor in der NRW-Metropole verdient.

Die hohe Bevölkerungsdichte im einwohnerreichsten Bundesland tut ihr Übriges. Alle großen Mode- und Warenhausketten wie C&A, Appelrath, Peek&Cloppenburg und Karstadt sind hier ansässig. Die Prominenz sowieso. Wegen ihr strotzt Düsseldorf nur so vor Stores exklusiver Luxuslabels: In direkter Nachbarschaft zueinander findet man hier die Läden von Gucci, Burberry, PRADA und Chanel. Sie alle befinden sich auf der wohl edelsten und bekanntesten Shopping-Flaniermeile Deutschlands – der Königsallee, kurz Kö. Sie hat, nach der Londoner New Bond Street, die zweithöchste Dichte an Filialen für Luxusmarken. Ein Fakt, auf den die Düsseldorfer Modewelt nach wie vor stolz ist (auch wenn sich immer mehr Läden für Normalsterbliche – H&M, Zara, Esprit usw. – unter sie mischen). Der Shoppingwahn findet seine Fortsetzung am nördlichen Ende der Kö, wo sich mit der Schadowstraße die umsatzstärkste Einkaufsstraße des Landes befindet. Zahlreiche Kaufhäuser, Boutiquen, Schuhläden über Schuhläden und die Schadow-Arkaden treffen hier auf kaufkräftige Kundschaft.

Abseits des Trubels von Königsallee und Schadowstrasse finden sich die traditionellen Boutiquen, die Second Hand Läden und einige junge Designerläden in der Düsseldorfer Altstadt. Sie ist, wenn man so will, das Szeneviertel der Stadt und ist –Niedergang hin oder her – nach wie vor ein Ort, an dem Trends geboren werden. Die lebendigen Straßen inspirieren heute noch wie damals die jungen Designer, die hier ihre exklusive Mode präsentieren; diverse Showrooms stellen neuste Kollektionen aus und sind Anzugspunkt für Fashionvictims aus der ganzen Welt.

Um es auf den Punkt zu bringen. Die Modemetropole Düsseldorf ist noch längst nicht tot! Dass sie – im Gegenteil – so vital ist, wie schon lange nicht mehr, zeigt, wie eng die Modeschaffenden zusammenarbeiten können, wenn es drauf ankommt. 2010 veranstalteten sie die Eventreihe „Voices of Fashion“, präsentierten gemeinsam neue Trends und Kollektionen, setzten sich zusammen, sprachen über Probleme und deren Lösungen und lockten zahlreiche interessierte Besucher an. Die Modemesse CPD mag vielleicht tot sein, doch schon in diesem Jahr präsentieren die Veranstalter mit „The Gallery Düsseldorf“ einen interessanten, frischen Nachfolger. Ansässige Designerlabels, wie Tigha oder FREDsBRUDER sind nach wie vor heißbegehrt und glänzen mit ihrem unverwechselbaren Stil. Inspiriert von Düsseldorf, getragen in der ganzen Welt. Düsseldorf soll als Modestadt also vorbei sein? – Wohl eher nicht!

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