Rückblick 2006: Viktor & Rolf für H&M


Wer sich weniger ausgiebig mit Mode beschäftigt, dem dürften die Namen Viktor&Rolf kein unmittelbarer Begriff sein. In der Welt der Kunst und Mode ist das Designerpaar schon längst eine absolute Konstante, die wegzudenken man gar nicht mehr in der Lage ist. Die Designer Viktor&Rolf, die mit bürgerlichem Namen Viktor Horsting und Rolf Snoeren heißen, stammen beide aus Holland und lernten sich an der Modeakademie in Arnheim kennen. Nach abgeschlossenem Studium entschieden sich die beiden Jungdesigner gemeinsam stark zu sein und ihre Kräfte in einem Modelabel zu vereinen. Als Resultat kam das wunderbare Label Viktor&Rolf heraus, das 1993 gegründet wurde. Besonders beeindruckend fielen die beiden durch drei Auszeichnungen beim Hyeres Festival 1993 auf.

Das Designerduo versuchte immer mehr Konventionen zu brechen und der Mode mehr als nur den Charakter gut geschnittener und tragbarer Stoffe zu verleihen. Kunst vereint sich mit Mode und erzeugt ein Produkt, dass mehr Märchentraum als Kleidungsstück ist. Ihre Haute Couture Kreationen waren es schließlich, die der Marke Viktor&Rolf zum absoluten Durchbruch verhalfen. Die Stücke wirken dabei mal feminin bis total verspielt und mädchenhaft, manchmal sind sie überzeichnet und vollkommen exzentrisch. Diese Vielseitigkeit – die Masse an Ideen, die die beiden im Laufe der Jahre hervorbrachten und umsetzten – war es, die auch den Global Player H&M auf die beiden aufmerksam werden ließ. Nach den ersten Kollaborationen mit den Modestars Karl Lagerfeld und Stella McCartney sollte das Designerpaar die dritte Designerkollektion von H&M gestalten.

Die Latte war hoch gelegt worden

Lagerfeld und McCartney verkauften sich großartig, auch wenn Kritik am Vertrieb der Kollektionen laut wurde oder etwa Lagerfeld sich beschwerte, man habe seine Schnitte extra geändert um eine größere Massentauglichkeit zu erreichen. Zwar sollte es auch bei Viktor&Rolf nach dem Release der Kollektion zum Unausweichlichen kommen: Die Läden von H&M wurden quasi von Kunden überfallen, die Menschen warteten stundenlang und in den Shops kam es nach der Öffnung der Türen zu tumultartigen Szenen, allerdings gab es nicht den Zoff, den sich noch Lagerfeld und H&M geliefert hatten. Das ist auch gut so, denn immerhin soll ja nicht der Streit der „Organisatoren“ von Mode im Vordergrund stehen, sondern die Mode selbst. Werfen wie also direkt einen Blick in die Kollektion von Viktor&Rolf.

Da jede Kollektion ein Thema haben muss, das erst einmal Anlass gibt, sich über die einzelnen Teile Gedanken zu machen, mussten Viktor&Rolf etwas wählen, dass ausgefallen ist aber auch massentauglichen Charakter hat. Das die Wahl schlussendlich auf das Thema Hochzeit fiel, scheint überraschend. Immerhin ist Hochzeitsmode nichts für jeden Tag, denn Hochzeitsmode ist auf der Straße völlig overdressed. Das war so lange wahr, bis Viktor&Rolf ihre Kollektion gezeigt hatten. Hochzeitliche Ansteckblumen fanden sich zwar an allen Stücken, diese waren aber durchaus variantenreich. Schwarz-Weiß dominierte, aber auch rote, voluminöse Röcke (die sich hervorragend mit einer weißen, abgesteppten Kapuzenjacke kombinieren lassen) und Kleider aus Satin brachten farbliche Abwechslung ins Spiel. Lange, schmal geschnittene Hosenanzüge für Sie waren ein absoluter Hingucker. Für den Herren gab es Sakko mit Applikationen und klassisch geschnittene Hosen.

Absolutes Highlight einer jeden Kollektion ist natürlich das Brautkleid. Das kann nicht anders sein, wenn man das Thema Hochzeit wählt. Das Hochzeitskleid von Viktor&Rolf, das bei H&M nur um die 300 Euro kostete und damit ein absolutes Schnäppchen gewesen ist, war laut Medien auf nur tausend Stück limitiert. Viele Frauen werden da leider mit leeren Händen aus den Filialen gekommen sein. Unglaublich schade, denn dieses Kleid ist wirklich ein Traum in Weiß. Nicht zu exzentrisch aber auch nicht zu unauffällig, wird es mit seiner märchenhaft großen Schleife wohl so manchen Hochzeitstraum geweckt haben. Traumhaft zufrieden kann H&M auch mit dieser Kollaboration sein. Eine wundervolle Kollektion traf auf eine zufriedene Kundschaft: Darauf kommt es an!

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