Zwischen Jet-Set, Tracht und Jungdesignern – Mode in München

Unter den deutschen Modestädten hat die bayrische Hauptstadt einen schweren Stand. Viele scheuen sich, München eine „Modestadt“ nennen, denken aber bei dieser Bezeichnung lediglich an junge Trenddesigner-Labels, aufwendige Fashionshows und eine urbane Modeszene, wie sie Städte wie London, Paris oder Berlin aufweisen. Was die Kritiker vergessen, ist das Mode weit über diese Dinge hinausgeht. Die Bayernmetropole hat dafür Qualitäten, die andere Städte vermissen lassen: Stil, Extravaganz und Tradition. Von wegen keine Modestadt.

Es war der Münchner Lokal-Reporter Gregor Walz, der für das Portal muenchen-tv.de auf einer Modeveranstaltung die anwesende Prominenz fragte, ob sie München denn als Modestadt bezeichnen würden. Die Antworten waren so gemischt, wie nachvollziehbar. Immerhin attestierten die meisten Befragten zumindest eine erkennbare Entwicklung Münchens hin zur Modestadt. Andere sahen die Stadt bereits längst in dieser Position. Schockierender Weise machte ausgerechnet eine gewisse Giulia Siegel die interessanteste Bemerkung zum Thema: „München ist definitiv eine Modestadt, weil die Mode hier bewusst getragen wird und nicht Möchtegern-mäßig wie in Berlin.“ Eine provokante Aussage, die aber vielleicht sogar ein Stück Wahrheit beherbergt.

shoppel München - Rathaus am Marienplatz

Rathaus am Marienplatz

Schauen wir den Tatsachen einmal ins Auge. München ist immer noch die deutsche Hauptstadt des Schickimicki. Die Prominenz fährt ihre Sportwagen spazieren, trifft sich regelmäßig auf Charity-Galas, kauft in den edlen Boutiquen der Maximilianstrasse ein und – steht dazu. Soviel Glitzer und Glamour die reiche Münchner Gesellschaft auch versprüht, so ehrlich geht sie auch damit um. In München hat man eben Geld und zeigt das auch gerne. Nicht umsonst befinden sich in der erwähnten Maximilianstrasse Shops sämtlicher Luxusmarken von Dior über Hugo Boss bis Louis Vuitton. Luxus ist das Markenzeichen Münchner Mode – das heißt aber nicht, dass hier der Fashionbetrieb der Stadt endet. Ganz im Gegenteil, München ist viel mehr als Party im P1 und Geldverbrennen.

Beliebt bei der Upper Class: die Prada Boutique in München

Beliebt bei der Upper Class: die Prada Boutique in München

Wie Viele nämlich immer wieder richtig anmerken, ist München auch Heimatstadt traditioneller Mode, speziell der Tracht. Kaum ein anderer Ort in Deutschland bietet eine solche Fülle verschiedenster Trachtenläden wie mighty MUC. Neben den großen und bekannten Shops wie Angermaier Trachtenmoden oder Lodenfrey gibt es natürlich auch unzählige kleine Läden für jeden Geschmack und Geldbeutel. Ein entscheidender Grund für die vielen Läden ist natürlich auch das Oktoberfest, welches die Stadt jedes Jahr aufs Neue fest im Griff hat und auch die Mode diktiert: Wer in dieser Zeit nicht in Dirndl oder Lederhosen vor die Tür geht, kann schon fast als Paradiesvogel bezeichnet werden. Der Look ist einfach allgegenwärtig und verleiht damit München einen ureigenen Style. Welche andere deutsche Stadt kann so etwas schon von sich behaupten?

In puncto „aufstrebende Jungdesigner“ hinkt die Bayernmetropole anderen Städten jedoch tatsächlich noch etwas hinterher. Während Berlin beispielsweise ein weit verzweigtes Netzwerk an Modeschaffenden vorzuweisen hat und quasi im Monatsrhythmus eigene Talente hervorbringt, beschränkt sich München auf Trachtenmoden-Designer oder das weitreichende Angebot der Luxusmarken-Stores. Mit der Rückbesinnung auf Traditionelles und Klassisches ist München zwar zeitlos, hat es aber verpasst, einen eigenen aktuellen Look zu entwickeln. Der Stadt allerdings das Vorhandensein junger Talente vollkommen abzusprechen, wäre Unrecht. So hat sich das Luxuslabel „Perseiden“ der beiden Münchnerinnen Cornelia Schmid-Heizer und Rebecca Waibel bereits einen Namen gemacht. Sie sind Teil einer sich allmählich entwickelnden, kleinen Designer-Szene. Andere Marken, wie die seit den 70er Jahren erfolgreiche Marke MCM entwirft erfolgreiche, edle Taschen und Reisekoffer, die sie bis nach Asien bekannt gemacht haben. Das Label ist Sinnbild für den klassisch-extravaganten Stil und atmet den Münchner Schick mit jeder Faser.

München befindet sich also scheinbar am Scheideweg – doch zwischen traditioneller Trachtenmode, exklusiven Edelboutiquen und kreativen Designerateliers muss sich diese Stadt nicht entscheiden. München vereint das alles unter einem Dach. Diese Stadt bietet Platz für verschiedenste Stilrichtungen. Das ist es schließlich, was eine Modestadt ausmacht – und das ist München ganz zweifellos.

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