Kunstwerk „Sneaker“ und Sneakers in der Kunstwelt

Wer hätte gedacht, dass ein Paar hochwertige Turnschuhe die Welt eines Tages mal so auf den Kopf stellen? Klar, viele Nerds betrachteten ihre Sneakers schon immer als echte Kunstwerke. Anders ließe sich wohl nur schwer begründen, dass sie vierstellige Summen in die Hand nehmen, um sich ein paar limitierte Kicks zu kaufen, von den Reise-Eskapaden rund um die ganze Welt, nur um ein ganz bestimmtes Paar zu bekommen ganz zu schweigen. Heute, wo Sneakers mittlerweile tief in der Gesellschaft verwurzelt und akzeptiert sind, werden sie immer häufiger auch zum Thema für die zeitgenössische Kunst. In Ausstellungen kann man Airmax-Modelle oder Adidas-Schuhe begutachten, die so weit bearbeitet wurden, dass sie schon aussehen wie kleine Skulpturen werden. Es gibt Starfotografen, die sich mehr für die Schuhe als für das Gesicht der Promis interessieren. Das ist der ganz normale Wahnsinn, der die Sneakerwelt längst ereilt hat.

Wir alle kennen diese Fotografen, die bei Konzernen im Graben vor der Bühne herumturnen und Fotos von den Stars bei ihrer Performance schießen. Gerrit Starczewski war einer von ihnen, bis er sich entschied, sein Augenmerk auf einen ganz bestimmten Part der Promis zu legen – ihre Schuhe. Das Gesicht fotografieren kann schließlich jeder. Ganzkörperfotos? – Wie langweilig! So begann Starczewski damit, die Kicks festzuhalten, mit der die Stars die Stage schmeichelten. Sinn machte das Ganze durchaus, schließlich sind viele seiner Klienten – N.E.R.D., The Roots oder Oasis – dafür bekannt, gerne extravagante Schuhmode zu feiern. Und so ließ auch der Erfolg von Starczewskis neuem Projekt nicht lange auf sich warten. Das Ergebnis ist der Bildband „Dancing Shoes“: 128 Seiten vollgepackt mit den Schuhen von R.E.M., den Beatsteaks oder Beth Dito. Ausnahmslos fotografiert bei deren Liveshows. Originell und künstlerisch extrem wertvoll.

Dass Sneakers zudem auch Teil der zeitgenössischen Kunst selbst sein können, bewies man zuletzt bei Adidas Australia sehr eindrucksvoll. So heuerte der Konzern die Künstler Mimi Leung und Chris Ruffe an, um für den Adidas Originals Store in Melbourne etwas ganz Besonderes ins Schaufenster zu bekommen. Leung und Ruffe kreierten dazu ein dreidimensionales Kunstwerk mit leuchtenden Neonelementen, verrückten Farbspielereien und einigen Originals-Sneakers, welche sich Chamäleon-mäßig in das Bild einfügen und erst beim zweiten Blick zu erkennen sind. Große Sneakers, große Kunst.

Auch Musiker, die selber als große Schuhnerds bekannt sind, griffen in den letzten Jahren vermehrt zu Werkzeug, Airbrush und Pinsel und bearbeiteten ihre Lieblingsschuhe auch ganz ohne Verträge mit großen Labels. Rapper, Grafiker und bekennender Schuh-Nerd Prinz Pi tat es zum Beispiel 2008 im Rahmen der Veröffentlichung seines Albums „Neopunk“. Als Teil der Album-Promo startete Prinz Pi die Ausstellung „Neodunk“, die – wie der Name bereits verrät – auch eines seiner absoluten Lieblingsthemas aufgriff. Während das namensgebende Remix-Modell des Nike Dunk Low noch ein tragbares Modell im Custom-Look war, wurden für andere Modelle ungewöhnlichere Wege eingeschlagen. Sneakers wurden mit Teilen von Revell-Modellbaustätzen aus Plastik kombiniert und als eine Mischung aus Air Max und russischem Mig-Bomber präsentiert. Ein definitiver Next-Level Move im Sneaker-Slash-Kunst-Segment. Ob es jemals eine Fortsetzung dieser Ausstellung mit weiteren Sneaker-Modellbausatz-Kombos geben wird? Man kann es nur hoffen!

All das zeigt jedoch nur exemplarisch, wie weit verankert Sneakers in der Kunstwelt mittlerweile sind. Egal ob Fotografen, Rapper und Schuhnerds, die ihre eigenen verrückten Ideen umsetzen wollen, oder Vollblutkünstler, die Sneakers als Teil ihrer Kunstwerke sehen – hier treffen Welten aufeinander, die nur darauf gewartet haben zusammenzukommen. Die Ergebnisse sind zweifelsfrei grandios! Und es ist ein weiterer Beweis dafür, dass es sich beim Interesse für Sneakers schon längst nicht mehr um infantiles Blabla-Hobby handelt, für das man von belächelt werden muss. Hallo, Welt? Selbst die Kunstwelt feiert unsere Liebe für drei Streifen und einen Swoosh! Wir sind angekommen, endlich!

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