Kleidung aus zweiter Hand – ein echtes Abenteuer?


Die einen schwören darauf, die anderen hassen es: Die Rede ist von Second Hand-Mode. Stundenlang in heruntergekommenen Hinterhöfen nach einem 1970er Gucci-Teil suchen oder doch lieber in den exklusiven Laden am Ku’damm stolzieren und ein paar Hunderter dalassen? Die Frage nach dem Sinn und Unsinn von Second Hand-Mode – eine Gretchenfrage, die Fashionistas seit vielen Jahren beschäftigt.
Wer die feinsten und exklusivsten Roben tragen will, ohne aber dafür Unmengen von Geld auszugeben, der muss in der Regel auf Second Hand-Ware zurückgreifen. Für viele stellt dies nicht vor große Probleme, ganz im Gegenteil: Sie lieben es, stundenlang durch kleine verwinkelte Läden zu stöbern und staubige Kisten zu durchstöbern um schlussendlich DAS perfekte Teil zu finden. So finden geduldig Suchende häufig absolute Traumstücke exklusiver Marken, sie sind die Goldgräber der Modeinteressierten. Es muss sich bei den Teilen jedoch nicht unbedingt um edle Haute Couture oder Prêt-à-porter-Mode handeln. Hin und wieder finden sich auch hinreißende No Name-, DIY-, oder Brandname-Stücke, die man so in keinem Laden (mehr) finden würde. Auch hier kann das Second Hand-Stöbern also einige Schätze bereithalten. Neben dem „Stöber-Faktor“ ist natürlich die Preisersparnis einer der Hauptgründe, warum einige lieber zu Second Hand-Mode greifen, anstatt ein ganzes Monatsgehalt in eine Tasche zu investieren.

Für manche ein Spaß, für andere die pure Ineffizienz

Doch mindestens genauso viele Menschen, wie das investigative Stöbern nach dem aktuellsten Second Hand-Teil lieben, hassen es abgrundtief. Grund Nummer Eins: Sie fühlen sich in Klamotten, die vorher von Anderen, von „Fremden“ getragen wurden schlicht unwohl. Ein in der Psyche tief verwurzelter Grund, dem man nicht wirklich argumentativ begegnen kann – entweder man hat eben ein Problem damit, oder nicht. Ungeachtet des Retro- und Vitange-Hypes suchen die Second Hand-Gegner akribisch und ausschließlich nach den neusten der neuen Teile – ein Fendi-Bag von vor 20 Jahren passt da ganz und gar nicht ins Bild. Das Alte, leicht Brüchige, was für Second Hand-Fans gerade den Charme der alten Stücke ausmacht, ist für die Second Hand-Gegner gerade einer der größten Minuspunkte. Nicht zuletzt hassen sie die stundenlange Suche nach dem richtigen Teil. Während das, nennen wir es mal „First Hand-Shopping“ vergleichsweise schnell über die Bühne geht, beansprucht Second Hand-Shopping viel mehr Zeit: Da ist nix mit ‚In den Laden rein, von der Stange nehmen, anprobieren und Kaufen‘. Da heißt es Stöbern, Stöbern, Stöbern. Und wenn man mal etwas halbwegs Ansehnliches gefunden hat, heißt das noch lange nicht, dass das Teil schlussendlich auch die richtige Größe hat.

Das Internet macht’s einfach

Zumindest was den letztgenannten Kritikpunkt angeht, muss man sich jedoch eingestehen, dass das Internet beim Second Hand-Shopping vieles leichter gemacht hat. In Zeiten von Ebay, unzähligen Second Hand-Modeportalen und kleinen Online-Annoncen gestaltet sich die Suche nach dem richtigen Teil häufig bedeutend einfacher, als etwa vor 15 oder 20 Jahren. Die Fashionistas, die nur Ware aus erster Hand wollen, wird dies wahrscheinlich nicht wirklich überzeugen. Auch einige Second Hand-Fans kritisieren diese Entwicklung, da für sie das Stöbern durch die dusteren Läden schon immer untrennbarer Teil der Second Hand-Experience war. Für andere Freunde des gepflegten Gebrauchtwaren-Shoppings sind diese jüngsten Entwicklungen hingegen die reinste Offenbarung.

Was bleibt also schlussendlich festzuhalten? Die Fronten sind verhärtet. Die Second Hand-Fans lieben ihre Art und Weise zu Shoppen, sparen gerne Geld und schaffen es häufig trotzdem, echte Hingucker-Outfits zusammenzustellen; die First Hand-Anhänger hingegen stehen mit ihrer neusten und exklusiven Mode dafür definitiv im Blitzlicht jeder Party. Nichtsdestotrotz sollte man ruhig mal einen Blick über den Tellerrand wagen – dann könnte man vielleicht merken, dass es nach zweimaligen Waschen gar nicht mehr so schlimm ist, „fremde“ Mode am Leib zu tragen. Man muss sich eben nur einmal überwinden.

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