Fashion vor 10 Jahren: Karl Lagerfeld für H&M 2004

Ein Rückblick: Karl Lagerfeld X H&M 2004

Karl Lagerfeld hat in seiner Jahrzehnte langen Karriere wohl fast alles gemacht. Er designet bei den besten Modehäusern der Welt (Chanel und Fendi), veröffentlicht Fotobände, an denen die größten Stars der Welt teilhaben, entwirft seine eigenen Stoffbären und ist in so vielen Fernsehshows zu sehen, dass man glauben könnte, der Tag habe für Karl Lagerfeld achtundvierzig Stunden. 2004 war die Modewelt überrascht zu erfahren, dass Lagerfeld und das schwedische Modehaus H&M eine Kollaboration beginnen. Dafür entwarf Lagerfeld eine Kollektion, die schließlich im Winter 2004 in die Läden kam.

Die Modewelt war entzückt von der Idee, einen großartigen Designer – vielleicht den größten Namen im Geschäft – bei der Unternehmung zu verfolgen, eine kostengünstige Kollektion für die breite Masse der H&M-Kundschaft zu kreieren. Auch die Kunden von H&M waren begeistert. Es dauerte damals nur einige Stunden, bis sich die Nachricht von der Zusammenarbeit von H&M mit Lagerfeld auf der ganzen Welt verbreitete. In einschlägigen Modeforen wurde sofort darüber spekuliert, wie teuer die Teile der Kollektion wohl sein würden, in welcher Stadt, in welcher Filiale von H&M man sie ohne größeren Andrang kaufen könnte und in welcher Fachpresse man schon vorher einen Blick auf die tollen Stücke werfen könne. Insgesamt schuf Karl Lagerfeld 30 Stücke für die H&M-Kollektion, die allesamt aus den Läden „gerissen“ wurden. Nachdem sich der Tag des Verkaufsstartes herumgesprochen hatte, kampierten die Modejünger Lagerfelds vor den einzelnen Geschäften. Einige ließen dafür sogar die Arbeit sausen, andere schwänzten die Schule, um rechtzeitig an die neuen Modestücke zu gelangen. H&M hatte die Kollektion mit einer riesigen Werbekampagne begleitet, die durchaus gelungen war. Es war der Wahnsinn, der sich in den Filialen abspielte. Es wurde gedrängt, geschubst und gezogen, wie man es sonst vielleicht nur vom Release einer lange erwarteten Spielkonsole kennt.

Die Kollektion selbst war umfangreich genug, um verschiedene Geschmäcker zu treffen. Bestseller war sicherlich das Cocktailkleid für 79,99€, auch die Chiffonblusen konnten überzeugen. Lagerfeld setzte auf klassische Kontraste. Schwarz-Weiß funktioniert jede Saison und wirkt elegant, fällt aber auch bei sportlichen Schnitten ins Auge. Lagerfeld, der ein ausgeprägtes Gespür für Accessoires besitzt, rundete die Kollektion mit Ringen ab, die für kleines Geld natürlich nicht an die Qualität eines hochwertigen Produktes herankamen, aber gut designet waren. Lustiger Seitenhieb, den Karl Lagerfeld so gern einflechtet, war das weiße T-Shirt mit großem Lagerfeld-Konterfei. Viel zu schnell waren Karl Lagerfelds Kreationen in den H&M-Filialen vergriffen. Das sorgte nicht nur für Unmut bei den vielen Kunden, die nichts von der Kollektion ergattern konnten, sondern auch bei Lagerfeld selbst. Nach dem Verkaufsstart äußerte sich Lagerfeld in einem Interview mit dem Stern sehr kritisch über H&M.

Diese hätten mit ihrer Verkaufsstrategie vor allem Kunden in „kleinen Städten“ und „Ländern im Osten“ unfair behandelt. Immerhin kamen in einigen Städten nur sehr wenige Teile der Kollektionen in die Läden. Lagerfeld nannte es „peinlich“, dass alle Stücke so schnell vergriffen waren. Es war Lagerfelds Anspruch eine Kollektion für so viele Menschen wie möglich zu machen und das zum kleinen Preis. Mit der H&M Kollektion gelang dies unzureichend.

H&M bemühte sich zwar um Schadensbegrenzung und verwies auf die Schwierigkeit eine solche Linie zu veröffentlichen, nahm aber wegen Lagerfelds scharfer Kritik dennoch Schaden – schließlich hatte Lagerfeld danach betont, nie wieder ein solches Projekt, wie das mit H&M zu realisieren. Ein weiteres Problem: Angeblich habe H&M Lagerfelds Schnitte verändert, um die Mode auch für beleibteres Klientel zugänglich zu machen. Später kritisierten Kunden die Aussagen Lagerfelds, seine Mode sei etwas für „schlanke“ Personen. H&M forderte daraufhin eine Entschuldigung Lagerfelds.

Letztendlich werden H&M und Lagerfeld wahrscheinlich keine Freunde mehr. Wie man es dreht und wendet, man kann Argumente für beide Seiten finden. Unterm Strich war die Kollektion dennoch gelungen und ein Erfolg für beide Seiten.

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