Hipster Hauptstadt – Berlins Weg zur Modemetropole

Manchmal, da scheint es, als werden Städte zu Modemekkas geboren. London und Mailand sind solche Städte. Paris sowieso. Sie haben eine lange Tradition, auf der die vitale Modeszene fußt. Sie beherbergen ganze Generationen kreativer Designer, die dort vor langer Zeit sesshaft geworden sind und natürlich Scharen an tapferen Schneiderlein, die es ihnen gleich tun wollen und ihnen folgen. Dann wiederum gibt es Städte, die sich erst noch einen Ruf als Modestandort erarbeiten müssen. Städte, die man lange Zeit gar nicht auf dem Schirm hatte, wenn es darum ging, die Fashionmetropolen der Welt aufzuzählen. Trotz (oder wegen?) seiner spannenden Geschichte galt Berlin lange Zeit als eine solche Stadt. Natürlich war Berlin, was Style anging, Restdeutschland immer ein Stück voraus, eine eigene Identität hatte die Stadt an der Spree lange Zeit jedoch nicht wirklich. Man orientierte sich stattdessen an den gängigen Looks in New York, Paris und co. Eine Zeit, die nach Meinung vieler, vorüber zu sein scheint. Längst ist Berlin nicht mehr nur auf dem Weg, eine internationale Modemetropole zu werden – Berlin ist es schon längst.

Karl Lagerfeld Store auf dem Kurfürstendamm

Karl Lagerfeld Store auf dem Kurfürstendamm

Früher oder später musste das auch so weit kommen. Nicht nur als Unterhaltungsmetropole, sondern auch als Modezentrum machte sich die Hauptstadt bereits in den goldenen 20ern einen Namen, bis die Nazis diese Entwicklung zerstörten. Nach dem Krieg war Westberlin nicht nur politisch sondern auch modetechnisch eine Insel, eingekesselt vom Sozialismus-Style der DDR und in jeder Hinsicht abhängig vom Westen. Vielleicht ist auch dies einer der Gründe, warum die Stadt so lange brauchte, um eine eigene Mode-Identität zu entwickeln. Umso beeindruckender war es aber mit anzusehen, wie die Metropole nach der Wiedervereinigung stilmäßig förmlich explodierte: Punks, Techno-Jünger, Hippies, HipHopper – Berlin war urplötzlich Nährboden für alle erdenklichen Subkulturen. Endlich zeigte sich die unglaubliche Vielfältigkeit der Stadt, Fashionistas wurden von dem brodelnden Kulturenkessel angezogen, Designer ließen sich von der Lebendigkeit der Straßen und der Schnelllebigkeit der Stadt inspirieren.

Nike Town - eine beliebte Pilgerstätte für Sneaker Freaks

Nike Town – eine beliebte Pilgerstätte für Sneaker Freaks

Vor allem Berlin-Mitte entwickelte sich zunächst zu einer kleinen Goldgrube für Fashion-Interessierte. Mehr und mehr Modeschaffende siedelten sich an und diverse Mode- und Designschulen bilden heute die kreativen Köpfe von morgen aus. Die großen, namhaften Modenhäuser haben sich mit ihren edlen Boutiquen am Ku’damm niedergelassen. Hier findet man von Louis Vuitton über Gucci bis hin zu Chanel alles, was das Fashionherz begehrt. Darüber hinaus bietet die 3,5 Millionen-Stadt für den kleineren Geldbeutel zahllose bekannte Geschäfte wie H&M für die Basic-Freunde, den Nike-Town für die Sportler oder den New Era-Flagshipstore für die Cap-Nerds. Während die Big Names eher in den touristisch interessanten Gegenden angesiedelten sind, finden sich die kleinen Ateliers und Geheimtipps eher in den Szenevierteln von Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Nicht umsonst pilgern Jahr für Jahr Jugendliche aus West- und Süddeutschland hierher, um sich modisch inspirieren zu lassen. So nimmt die Hauptstadt nicht nur beim derzeit allgegenwärtigen Hipster-Look eine Vorreiterrolle ein, sondern brachte zudem diverse Designergrößen zum Vorschein.

Das Brandenburger Tor bei Nacht © masterric3000 – Fotolia.com

Das Brandenburger Tor bei Nacht © masterric3000 – Fotolia.com

Eines dieser aufstrebenden Labels ist Liebeskind Berlin. Die Kollektionen der drei Gründer Julian Rellecke, Johannes Rellecke und Semih Simsek begeisterten in den knapp zehn Jahren seit der Gründung der Marke Fashion-Victims auf der ganzen Welt. Hochwertige Taschen, Gürtel und Accessoires straight aus Berlin-Kreuzberg – Liebeskind ist ein neuer Stern am Modehimmel. Liebeskind ist aber nur eines der vielen Labels aus Berlin, die es sich eine große Aufmerksamkeit im internationalen Modemarkt sichern konnten. Mit Marken wie A.D.Deerz, b.s. bergner schmidt, ANSOHO und vielen anderen steht bereits die nächste Generation bereit. Die Tatsache, dass die Szene in der Hauptstadt so lebendig wie nie zuvor ist, schreit natürlich auch nach einer eigenen Fashion Week.

Seit 2007 wird deshalb die Berlin Fashion Week zweimal jährlich veranstaltet und gewinnt – analog zur wachsenden Modeszene – immer mehr an internationaler Bedeutung. Namhafte Veranstaltungen wie die Mercedes Benz Fashion-Shows oder die jährliche Bread and Butter-Messe auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhofs sind ebenfalls Teil des bunten Modezirkus‘ und ziehen jedes Mal tausende interessierter Besucher an. Man muss also den Tatsachen ins Auge sehen: Wer Berlin im internationalen Modebusiness noch belächelt, hat die Zeichen der Zeit schlichtweg verkannt. Die Hauptstadt lebt, sie pulsiert, sie ist aktiv – mehr als je zuvor.

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