Gürtel – wie viele Applikationen sind genug?

In diesem Jahr gibt es einige Trends, die nicht ganz neu sind, sich aber scheinbar auf alle Bereiche des Lebens auswirken. Hierzu zählen ganz sicher die Applikationen. Applikationen gab es in der Mode zwar schon immer – schließlich kann man eine Stickerei ebenso als Applikation ansehen, wie eine Niete – aber der Trend greift so weit um sich, dass man sich manchmal Fragen sollte, ob die Grenze des Erträglichen nicht irgendwann erreicht ist. Auch wenn man mit der Kritik an bunten und opulenten Applikationen in dieser Saison nicht gerade offene Türen einrennt, denke ich, dass es sich lohnt, modische Standards ab und zu zu hinterfragen.

Armani Gürtel

Eine elegante Schnalle, wie hier von Armani, wird schnell zum Statussymbol!

Applikationen auf Gürteln. Wie viel ist genug?

Egal welche Accessoire-Kollektion man sich gerade ansieht, Applikationen sind eigentlich überall. Egal ob Rundnieten oder Pyramidennieten – Nieten sind nicht wegzudenken. Doch was dem einen ein Segen ist, ist für den anderen ein Graus. Deshalb wollen wir an dieser Stelle eine kleine Reise ins Land der schrecklichsten Applikationen auf Gürteln unternehmen. Fürchterlich und meiner Meinung nach viel zu beliebt, sind die angesagten Cow Boys Belts. An sich ist gegen die Stücke nicht viel einzuwenden. Sie sind Fashion Gürtel, die in jede Jeans passen und überall einen guten Eindruck hinterlassen könnten. Das gilt aber auch nur solange, wie man die übergroßen Applikationen vernachlässigt. Denn in diesem Jahr sind gefühlte 90% aller Cow Boys Belts mit silberfarbenen oder bronzefarbenen Sternen besetzt. Der Zusammenhang zwischen Cow Boys, Sheriffs und Sternen scheint ja offensichtlich – aber müssen die Sternen wirklich überall dabei sein?
Cow Boys Belt sind definitiv ein Trend, den man in diesem Jahr nicht vernachlässigen sollte, genauso wenig kann man aber auch die Variationen fürchterlicher Applikation nicht übersehen. Denn mit den Sternen, über die wir gerade sprachen, ist das Kapitel der Grausamkeiten noch nicht geschlossen. Auch das chaotische Anordnen von Nieten auf dem Obermaterial der Gürtel ist gerade heißer Trend. Dabei scheint das Motto zu sein, so viel wie möglich Nieten aufs Leder zu bekommen, egal wie sich dies optisch auswirkt.

Givenchy Gürtel

Bunte Gürtel wie hier von Givenchy sind hingegen eher Geschmacksache!

Doch nicht nur die Nieten verlieren durch diese Wahllosigkeit. Meiner Ansicht nach, verlieren die Farben wesentlich an Kraft. Im kommenden Sommer finden wir wunderschöne Pastelltöne und knallige Farben, die die heiße Jahreszeit zu einem echten Fest werden lassen könnten. Die metallischen Applikationen auf Gürteln scheinen dies unbedingt verhindern zu wollen. Doch die Designer von Accessoires müssen etwas Selbstkritik im Hinterkopf behalten haben. Denn einziger Lichtblick bei all der Nietensucht, sind die bunten Nieten geworden, die sich hier und da sehen lassen. Sie sind die einzigen, die auf farbigen Obermaterialien wirklich funktionieren – wenigstens solange sie farblich richtig kombiniert wurden. Auch Nietenanordnungen, die am ehesten an den Ornament-Look erinnern, sind wesentlich überzeugender. Sie bieten nicht nur etwas geschichtlichen Reiz auf der Oberfläche der Materialien, sondern bringen obendrein den jugendlichen Charme der Niete zum Vorschein (Schließlich sollte die Niete auch ein Symbol der Rebellion sein). Doch nicht nur mit Applikationen auf dem Obermaterial der Gürtel, hat man es in dieser Saison wirklich übertrieben. Auch die Gürtelschnallen platzen geradezu vor Steinchen, Perlen und Strass. Sicherlich finden sich unter ihnen durchaus gelungene Exemplare – doch der generelle Eindruck ist: This is too much. Ich bin mir sicher, dass sich die Diskussion um Applikationen noch sehr viel weiter treiben lassen würde. Ich bin mir aber auch bewusst, dass es eine ganze Menge Kritiker gibt, die meine Meinung anfechten würden. Die grundsätzliche Diskussion darüber, wann Applikationen funktionieren und wann man darauf verzichten sollte, wird deshalb nicht überflüssig. Letztlich ist Mode nie ohne subjektive Standpunkte zu verstehen und ihre Qualität sollte immer im Zusammenhang mit großen Trends diskutiert werden.

Eine Antwort

  1. thomas

Antworten