Gewissenlos gut aussehen? – Ethik in der Mode

fair trade fashion

Fair Trade & Organic Fashion


Es ist ein positives Merkmal der westlichen Wohlstandsgesellschaften, dass Menschen zunehmend darauf achten, dass die Art, wie sie leben anderen Menschen, Tieren oder der Natur möglichst wenig Schaden zufügt. Dies bezieht sich auf sämtliche Lebensbereiche: Ernährung, die Art und Weise der Fortbewegung und – ja – auch die Frage nach der richtigen Kleiderwahl. Natürlich möchten wir gut aussehen und hippe Klamotten tragen, wollen uns dabei aber gleichzeitig nicht schämen müssen, Kinderarbeit zu unterstützen oder der Umwelt zu schaden. Dies haben glücklicherweise auch die Hersteller und Modekonzerne bemerkt, jedoch gehen sie unterschiedlich an diese Thematik heran. Während die einen tatsächlich auf nachhaltige Produktion setzen, versuchen die anderen durch viel Blabla mehr Profit herauszuboxen, unternehmen aber im Endeffekt nicht wirklich etwas in dieser Richtung. Für uns als „Verbraucher“ stellt sich damit zu Recht die Frage:

Bio leben und gleichzeitig Fashion-Victim sein – Ist das wirklich möglich?

Wie in so vielen Industrien krankt es auch in der Modeproduktion an gleich mehreren Stellen. So hört man beispielsweise immer wieder in diversen Berichten – auch von namhaften Modemarken – von unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten der Zulieferer. Die Vorwürfe reichen von Hungerlöhnen über 80 Stunden-Wochen bis hin zu unbezahlten Überstunden, die in den so genannten „Sweatshops“ an der Tagesordnung sind. Was kann man also als Konsument tun? Eine kurze Google-Suche verrät, dass es vor allem die niedrigpreisigen Billiganbieter sind, die sich unter den schwarzen Schafen befinden. Es ist ja auch logisch: Läden, die ihre Kleidungsstücke bereits für fünf bis zehn Euro anbieten, können diese in der Regel nicht zu fairen Bedingungen produziert haben. Auffällig häufig geraten Discount-Modenhäuser wie in die Kritik, vor allem wenn diese, wie „Kik“ dazu noch in die Offensive gehen und im Rahmen einer Image-Kampagne mit dem Slogan „Lieber echte Karriere als falsche Ideale“ werben, um so Azubis für sich zu gewinnen.

Andere Hersteller haben immerhin versucht, ihre Hausaufgaben zu machen. So hat sich die irische Billig-Kette Primark zumindest trotz ihres doch sehr günstigen Angebotes zu den Regeln der Ethical Trade Initiative (ETI) bekannt und sich damit dazu verpflichtet, seine Zulieferer regelmäßig zu kontrollieren. Einen groben Überblick darüber, wie sich große Namen aus dem Modengeschäft gegen Kinderarbeit organisieren bietet die Seite der Aktion „Aktiv gegen Kinderarbeit“, die mittels Ampelfarben-Prinzip eine erste Orientierung verschafft.

Doch nicht nur die Stimmung gegen miese Arbeitsbedingungen in Südostasien, sondern auch die Forderungen nach einer nachhaltigen, ökologischen Produktion werden immer lauter. Hier genießen Marken wie American Apparel oder G-Star einen guten Ruf und werben beständig damit, ihre Stücke klima- und umweltfreundlich herzustellen. H&M hingegen spezialisiert sich Werbewirksam auf einzelne „Exclusive Counscious Collections“, die sich dadurch auszeichnen, aus recyceltem Polyester, Bio-Baumwolle und Hanf zu bestehen. Gerade organische Baumwolle wird in der Modebranche häufiger als Material benutzt.

Nichtsdestotrotz hat man als Käufer der Kleidung der großen Namen nie die hundertprozentige Sicherheit, dass man es hier nur mit ethisch und ökologisch vertretbar produzierten Sachen zu tun hat. Schließlich hat man als Außenstehender keinen detaillierten Einblick in die Produktionsabläufe und kann nicht problemlos echte Fakten von nichtssagendem Promo-Gewäsch unterscheiden. Dass es den Unternehmen bei der Umstellung der Produktion mehr um Image und Profit als um moralische Werte geht, darüber sollte sich jeder zumindest im Klaren sein, der hier einkauft.

Das ist das Päckchen, das jeder persönlich mit sich zu tragen hat. Wer es sich leisten kann und ganz auf Nummer Sicher gehen will, hat immer noch Fair-Trade Läden oder Öko-Shops, in denen er sich ein Outfit zusammenstellen kann. Dass dort allerdings die Auswahl begrenzt ist, erklärt sich von selbst. Wer den schmalen Grat zwischen trendiger Kleidung und „sauber“ produzierter Mode wandern will, der googlet einfach in Zukunft vorher die einschlägigen Läden, in die er sonst gerne shoppen geht. Dass ein Umdenken einzutreten scheint wird dabei mehr als deutlich – hoffen wir auch, dass sich auch die Handlungsweisen entsprechend ändern.

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  1. Daniel Benjamin

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