Frööhlich ohne Pelz – Harald Glööckler und PETA

Die Tierschutzorganisation PETA ist in der Modewelt berüchtigt für ihre provokanten Protestaktionen. Unvergessen sind die Überfälle auf diverse Fashion-Week Events von Oscar de la Renta oder Marc Jacobs, die Attacken, bei denen rote Farbe auf den Laufstegen verschüttet wurde oder prominente Pelzträger mit Mehlbomben angegriffen wurden. Nichtsdestotrotz erhält die PETA immer wieder Unterstützung von zahlreichen Stars, die an den aufwendig produzierten Werbekampagnen teilnehmen. Zu den wohl populärsten Gesichtern zählen Pamela Anderson, Pink oder Eva Mendez. Aber auch in Deutschland machen Promis wie Daniela Katzenberger oder Bill und Tom Kaulitz immer wieder auf die Anliegen der Tierrechtsorganisation aufmerksam.

Besonders interessant wird das Engagement für PETA jedoch, wenn es sich Leute aus dem Fashionbereich handelt, die für die Organisation werben. Gerade die Modeszene ist wegen der Verwendung von tierischem Leder und Tierfellen häufig im Kreuzfeuer der Kritik, weswegen Modedesigner, die für PETA werben, durchaus als Exoten bezeichnet werden können. Und als wäre man damit nicht schon Exot genug, hatte sich ausgerechnet der wohl größte Paradiesvogel der deutschen Modeszene, Harald Glööckler, vor einigen Jahren dazu entschlossen, gemeinsame Sache mit der Organisation zu machen.

Die erste Zusammenarbeit zwischen PETA und Glööckler fand im Rahmen der Kampagne statt, in der Prominente die Hüllen fallen lassen, um so gegen Tierpelze zu demonstrieren. Untertitelt mit „Tiere tragen Pelz, Menschen tragen Mode“ präsentierte Glööckler seinen entblößten Körper anmutig in einer Wüsten-Landschaft. Der Mann mit dem gemalten Bart schockierte damit nicht nur modeinteressierte „Durchschnittsbürger“, sondern auch die Leute, die in der Modeszene selbst tätig waren: Einer von uns, der gegen Pelz protestiert? – der Glööckler macht es möglich.

Damit nahm das Engagement Glööcklers jedoch noch kein Ende, im Gegenteil. Erst im Oktober 2012 stand er wieder für PETA vor der Kamera und gab Interviews für kleine Einspieler, in denen er seine Meinung zum Pelz abermals kundtat und seine Liebe zu Tieren bekräftigte. Für das dazugehörige Fotoshooting ließ der Pompöös-Designer dieses Mal zwar nicht die Hüllen fallen, nichtsdestotrotz schockten die Bilder. Die Nachbildung eines gehäuteten Fuchses in den Händen haltend, bohrte sich der typische Arroganz-Blick des Modeschöpfers in die Augen des Betrachters, als wolle er sagen: „Hier, sieh dir bitte an, was du mit deinem Pelzwahn verursachst! Hoffentlich fühlst du dich jetzt so richtig schäbig!“ Passend dazu wurde das Plakat betitelt mit „Hier ist der Rest von Ihrem Pelz!“

Egal wie übertrieben moralisch und Zeigefinger-mäßig man die Kampagnen von PETA zu diesem Thema finden mag, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Aktionen wie diese durch einen bekannten Modeschöpfer eine ganz neue, viel stärkere Tragweite bekommen. Klar, Promi XY kann seine Vorbildfunktion gegenüber den Käufern nutzen und darauf hinweisen, dass Pelz nicht unbedingt die schlauste Wahl ist. Ein Harald Glööckler jedoch spricht vor allem die ModeMACHER an und überrascht noch viel mehr mit seiner Aussage, echtes Tierfell für Kleidung zu meiden.

Genau das ist auch sein Anliegen gewesen: „Ich möchte mich mit diesem Motiv auch an alle jungen Designer wenden und sie bitten, auf die Verwendung von Pelzen zu verzichten. Es gibt zahlreiche Alternativen, für die kein Tier leiden muss!“, zitiert PETA den Modemacher. Und ganz offensichtlich leisten drastische Kampagnen wie diese auch einen Beitrag zur Verbesserung der Situation in der Modeindustrie. So erwähnen PETA in diesem Rahmen auch weitere international anerkannte Designer wie Stella McCartney und Calvin Klein, die bereits in ihren Kollektionen gänzlich ohne echten Pelz auskamen.

Eine durchaus beeindruckende Entwicklung, mit der wir es hier zu tun haben. Auch wenn Pelz durch eine Kampagne wie diese nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden und nach wie vor von renommierten Stardesignern verwendet wird, so regen derartige Kampagnen immerhin zum Nachdenken an. Und wer weiß, vielleicht lassen sich aufkommende Jungdesigner tatsächlich positiv beeinflussen? Ob nun aber ausgerechnet Glööcklers Kollektionen als Maßstab dafür genommen werden sollten, dass man auch ohne Pelz hinreißende Kleidung machen kann, das mögen andere entscheiden…

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