Die Rache der Nerds

Nerdbrillen

Seit nunmehr zwei Jahren geistert ein Modetrend umher, der die junge, fashionaffine Generation im Sturm erobert hat und bis heute fest im Griff hat. Die Rede ist von großen Brillen mit dicken Rahmen, den sogenannten „Nerdbrillen“. Im Zuge der großen Revival-Welle (wahlweise sind die 30er, 60er oder 80er Jahre wieder hip) begannen als erstes die Hipster-/Straßenkids damit, die Kleiderschränke ihrer Eltern und Großeltern nach Relikten alter Zeiten zu durchwühlen und stießen dabei irgendwann auf die lustigen Nasenfahrräder von damals. Doch längst sind auch die großen Mode- und Brillenlabels von Calvin Klein bis Ray Ban auf den Trichter gekommen und haben mit diversen Klugscheißerbrillen den Markt überflutet.

Wer als Brillenträger heute etwas auf sich hält, trägt also das Modell „Nerd“ mit Stolz auf der Nase und fühlt sich wahlweise klug oder hip oder sogar beides. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen Wörter wie Vierauge oder Brillenschlange gang und gebe waren, heute sind die „Normalos“ auf die stylischen Brillen der Sehschwächegeplagten neidisch. Was daraus folgt ist so naheliegend wie offensichtlich –Brillen ohne Stärke für die, die sie nicht brauchen, aber einfach mit dem Trend schwimmen wollen, um sich ebenfalls so modisch zu fühlen können wie die anderen.

Der Look, den Nerdbrillen damit vermitteln trägt dabei wirklich etwas kleinwenig Revolutionäres in sich. Tatsächlich waren vor dem Comeback der großen Brillen der „intelligente“ Look und das Modische ein scheinbar unüberwindbarer Gegensatz. Eine Lücke, die durch den Hype um Nerdbrillen geschlossen wurde, denn jeder noch so große Schlaumeier kann sich dieser Tage mit der richtigen Brille ein kleines Bisschen Style verpassen. Der Hype um die ausgefallenen Modelle hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, die den negativen Touch, dem das Brillentragen ja oftmals immer noch anhaftet, mehr und mehr und mehr aufhebt und in Vergessenheit geraten lässt. Zugleich haben sie aber eben auch maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Brillen von einer funktionalen Sehhilfe zu einem Modeaccessoire entwickelt haben.

Diese Entwicklung kann sich auch über das bloße Nerdmodell ausweiten und vielleicht ist ja auch als nächstes ein ganz anderer Brillentyp hip. So oder so ist jedoch der Trend erkennbar, dass Brillen auch für die interessant werden, die sie eigentlich gar nicht tragen müssten. Selbst gute zwei Jahre nach Aufkommen des Kults hat der Nerdlook dabei noch nichts von Trendyness eingebüßt.

So sieht man im Fielmann um die Ecke noch immer eine (scheinbar stetig wachsende) Auswahl diverser Brillenmodelle im einschlägigen Stil. Der Reiz ist natürlich nicht mehr ein so großer, wie noch zu Beginn und trotzdem tut man sich derzeit schwer, eine echte Alternative zu dem Look zu finden, wenn man auf der Suche nach einem neuen Modell ist. Wer Angst hat, mit seiner neuen Brille total im Einheitsbrei zu versinken und etwas schmerzfrei ist, kann sich auch einfach darauf berufen, wie der Trend entstanden ist und einfach mal bei Opa nach der lustigen alten Hornbrille fragen, die er auf den alten Familienbildern immer trägt.

So kommt man garantiert an ein Modell, bei dem man sich keine Sorgen machen muss, auf der Straße gleich den nächsten mit der gleichen Brille zu sehen, ist damit individuell und doch irgendwie trendy, gleichzeitig aber authentisch, denn man trägt ja schließlich ein originales, althergebrachtes Modell und nicht den kopierten Mist. Die Gläser sollten natürlich beim Optiker des Vertrauens an die benötigte Stärke angepasst oder gegebenenfalls durch stärkelose ersetzt werden.

Doch egal, ob aktuelles Gestell oder aus dem Fundus gefischtes – wer sich nicht sicher ist, ob die Nerdbrille für ihn geeignet ist, sollte sich fachmännischen Rat einholen. Optiker haben ein geschultes Auge für solche Probleme und können oftmals gut beraten, was zum Typ und zum Gesicht passt, denn wenn das nicht der Fall ist, kann sich der Träger selbst mit dem schicksten Modell blamieren. Und das soll ja nun wirklich nicht passieren.

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