Cro trifft H&M – kann das gutgehen?

Es ist DIE Nachricht der Stunde und eine absolute Überraschung für alle (Musik- und) Modefans: Erfolgsrapper Cro designt eine eigene Modelinie bei einem der größten Modeketten der Welt, H&M. Damit ist er nicht nur der erste Rapper, sondern erste deutsche Musiker überhaupt, dem diese Ehre zuteilwird. Ganz nebenbei steht der junge Stuttgarter hier in einer Reihe mit Weltstars wie Madonna, Karl Lagerfeld und Stella McCartney. Doch neben schier grenzenloser Euphorie löst die Nachricht auch ungläubiges Zweifeln aus: Kann der Typ das überhaupt? Designt er wirklich selbst, oder gibt er nur seinen Namen her? Und was zu Hölle dachte man sich bei H&M dabei? Fragen, denen es sich lohnt, auf den Grund zu gehen.

Am 4. April soll es soweit sein, dann wird in rund 200 deutschen H&Ms in Deutschland sowie im hauseigenen Online-Store 20 T-Shirts die Kollektion „Design by Cro“ in den Verkauf gehen. Zehn Shirts für Jungs, zehn Shirts für Mädels sollen es sein, die Cro laut eigener Aussage ohne schlechtes Gewissen auch selbst tragen würde. Er selbst hat sie also designt, sagt er, und die Zweifler sind bereits auf dem Plan und fragen sich: Kann der das überhaupt? – Nun, vollkommen unberechtigt ist diese Frage nicht, zieht man all die Modekollektionen von anderen Stars in Betracht, bei denen die Promis lediglich ihre großen Namen hergaben, aber selbst nie Hand anlegten. In diesem Fall kann man jedoch davon ausgehen, dass Cro tatsächlich das Mastermind hinter den Designs ist, denn schließlich hatte er unter dem Label „Viovio“ (thisisviovio.com) bereits einige selbstdesignte Stücke in Musikvideos, auf Pressefotos und Konzerten präsentiert. Zudem war Cro vor seiner Musikerkarriere als Karikaturist tätig. Man kann also aufgrund seiner bisherigen Vita davon ausgehen, dass der Pandajunge sein Gespür für Grafik, Schnitt und Look auch in seiner H&M-Linie beweisen wird.

Doch die Hater wittern längst auch andere Probleme, allen voran das der Markübersättigung. Viele fragen sich: Ist der Hype nicht schon längst ausgereizt? Ganz klar, 2012 war das Cro-Jahr schlechthin. Doch was mit einem Megahit („Easy“) begann, mit einem Erfolgsalbum und einer ausverkauften Tournee fortgesetzt wurde, scheint heute bei immer mehr Leuten genervte Gesichtsausdrücke auszulösen. Es ist eben, wie es immer ist: Wenn etwas vom Mainstream gefeiert und den Kiddies geliebt wird, wird es für die Fans der ersten Stunde uninteressant. Aber womöglich sind es genau diese jungen Kiddies, die dafür sorgen, dass die Cro-Linie, der absolute Kassenschlager wird. Es ist daher zu vermuten, dass H&M mit der Kollektion des Rappers durchaus die eine oder andere Mark verdienen wird.

Wieder andere fragen sich zudem, wie die „Design by Cro“-Linie zum Image-Wandel von H&M passt. Zuletzt fiel der Megakonzern nämlich nicht unbedingt mit jugendlicher Billo-Mode, sondern eher durch seine ersten Versuche, in das obere Preissegment zu stoßen, auf. Eine eigene Show auf der Pariser Fashion Week und die neuen hauseigenen Edelmarken „COS“ und „& other Stories“ waren erste Hinweise darauf, dass man bei H&M versucht, Märkte im gehobene Ready-to-wear-Bereich zu erschließen. Die Cro-Linie scheint dabei nicht so recht ins Bild zu passen. Doch wer weiß – vielleicht hat man es hiermit mit dem einfachen versuch zu tun, den Kontakt zur früheren Zielgruppe nicht zu verlieren? Abgesehen davon sind die Preise der Cro-Shirts bis jetzt noch ein Geheimnis, wenngleich zu erwarten ist, dass sie im bezahlbaren Bereich liegen werden.

Eines ist jedenfalls sicher: Auf ein hohes Interesse werden die „Design by Cro“-Stücke in jedem Fall treffen. Ob hier böse Design-Überraschungen oder gar ein modischer Totalausfall drohen, bleibt abzuwarten, ist aber eher unwahrscheinlich. Dafür haben wir es bei dem jungen Stuttgarter mit einem einfach ZU stilsicheren und trendbewussten Typen zu tun. Die Kooperation mit einem der besten Trendmodeketten zu bezahlbaren Preisen scheint daher letztendlich schlüssig und logisch. Am 4. April wissen wir mehr.

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